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Indro Montanelli

italienischer Journalist und Schriftsteller
Geburtstag: 20. April 1909 Fucecchio
Todestag: 22. Juli 2001 Mailand
Nation: Italien

Internationales Biographisches Archiv 42/2001 vom 8. Oktober 2001 (gi)
Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 31/2011


Blick in die Presse

Herkunft

Indro Montanelli wurde in Fucecchio, einem Ort auf halbem Wege zwischen Florenz und Pisa, geboren und war der Sohn eines Schuldirektors.

Ausbildung

Nach Studien in Florenz und Paris (Rechts- und Sozialwissenschaften) begann er 1933 seine journalistische Karriere.

Wirken

Als junger Mann kurzzeitig vom Faschismus begeistert, veröffentlichte er seine ersten Artikel in der faschistischen Wochenzeitung "L'Universale". Nach dem Abessinienfeldzug, zu dem er sich freiwillig gemeldet hatte, ging er zur großen römischen Tageszeitung "Il Messaggero", für die er 1936 als Sonderberichterstatter vom spanischen Bürgerkrieg berichtete. So entlarvte er u. a. die berühmte "Schlacht von Santander" vor allem als Propagandaschlacht der Generäle. Gemaßregelt und nach Italien zurückgekehrt, wurde er 1937 als Lektor für Italienisch nach Estland geschickt, wandte sich aber bald wieder dem Journalismus zu. 1939 wurde er Auslandsberichterstatter des "Corriere della Sera", dem er drei Jahrzehnte als Korrespondent, Kolumnist und Kommentator angehören sollte.

Während des Zweiten Weltkrieges berichtete er von den Kriegsschauplätzen in Finnland, Norwegen, Albanien und Griechenland. Aus Deutschland war er bei Kriegsbeginn ausgewiesen worden, weil er zu viel Bewunderung für die Polen zum Ausdruck gebracht hatte. In Italien suchte er nun die Nähe zu bürgerlichen Widerstandsgruppen, wurde vorübergehend verhaftet, als er über die Liebschaften Mussolinis berichtete, und 1943, nach der Besetzung Italiens durch die Deutschen, von diesen wegen seiner Kontakte zum Widerstand zum Tode verurteilt. Unter abenteuerlichen Umständen glückte ihm schließlich die Flucht aus dem Gefängnis.

Als brillanter Kommentator der italienischen Innenpolitik und scharfsinniger Chronist der Zeitgeschichte wurde M. nach dem Krieg einer der bekanntesten Protagonisten des italienischen Journalismus. Als der Mailänder "Corriere della Sera" unter dem damaligen Chefredakteur Piero Ottone immer deutlicher auf Linkskurs ging, verließ M. 1973 zusammen mit anderen Redakteuren das Blatt und gründete 1974 eine eigene Zeitung, "Il Giornale Nuovo", die sich unter seiner Leitung zu einem Zentrum der Opposition gegen die Politik des "historischen Kompromisses" zwischen den italienischen Christdemokraten und Kommunisten entwickelte. Darüber hinaus machte es sich das Blatt zur Aufgabe, der Ideologisierung und Radikalisierung der italienischen Presse eine realitätsgerechtere, nüchterne Berichterstattung gegenüberzustellen. Berühmt und bei der Leserschaft beliebt waren vor allem seine kurzen und vernichtenden Aperçus gegen von ihm nicht geliebte Zeitgenossen in der regelmäßigen Giornale-Kolumne "Controcorrente" ("Gegen den Strom"). In Mailand betrieb M. außerdem den Lokalsender "Radio Monte Stella". Seine konsequente Frontstellung gegen den Linksextremismus machte ihn im Juni 1977 zum Ziel eines Anschlages der "Roten Brigaden", bei dem er durch Pistolenschüsse an den Beinen verletzt wurde.

Im Jan. 1994 verließ M. seinen Posten als Chefredakteur des von ihm gegründeten Giornale. Hintergrund dieses Schrittes waren Differenzen mit dem Verleger und Medienmogul Silvio Berlusconi, der Ende 1993 seinen Einstieg in die aktive Politik angekündigt hatte. Der mit M. seit langem befreundete Berlusconi, zu dessen Medienkonzern M.s Zeitung mittlerweile gehörte, hatte zur Vorbereitung und Unterstützung seiner politischen Karriere auch versucht, auf den Giornale massiv Einfluss zu nehmen und Wahlkampfunterstützung eingefordert. M. dagegen kritisierte Berlusconis politisches Abenteuer als Verirrung und unterstützte seinerseits den aus der christdemokratischen Partei ausgescherten Reformer Mario Segni. Die Forderung Berlusconi-treuer Protagonisten anderer Medien, M. solle doch seinen Posten niederlegen, wenn er mit seinem Konzernchef politisch nicht übereinstimme, stieß auf starke Proteste und rief eine Welle von Solidaritätserklärungen mit M. in Redaktion und Verlag, bei Lesern, Politikern und Journalistenverbänden hervor. M. selbst zog jedoch die Konsequenz aus der finanziellen Abhängigkeit des Blattes von Berlusconi, kündigte und gründete die von mittelständischen Unternehmern finanzierte "La Voce" ("Die Stimme"), die aber schon bald wieder eingestellt wurde. Ab 1995 schrieb er wieder - in alter Frische und mit aggressivem Witz - Leitartikel für den "Corriere della Sera".

Neben seiner journalistischen Tätigkeit konnte M. auch auf beachtliche Erfolge als Schriftsteller verweisen. Neben einem Roman, Theaterstücken und Kurzgeschichten machte ihn vor allem seine mehr als 20-bändige Geschichte Italiens bekannt.

Familie

Am 22. Juli 2001 ist M. in einer Mailänder Klinik an den Folgen einer Operation gestorben. Den Nachruf, den der "Corriere della Sera" am nächsten Tag veröffentlichte, hatte M. vor seinem Tode noch selbst geschrieben.

Werke

Veröffentlichungen u. a.: "Qui non riposano" (82), "Leo Longanesi" (85; mit M. Staglieno), "L'Italia della Repubblica" (85; mit M. Cervi), "L'Italia del miracolo" (87; mit M. Cervi), "Ritratti" (88), "Montanelli narratore" (88), "Storia dei greci" (89), "Milano ventesimo secolo" (90), "L'Italia degli anni di piombo" (91; mit M. Cervi), "La parola ai lettori" (91).

2011: Indro Montanelli: "Ve lo avevo detto". 2011.

Auszeichnungen

Auszeichnungen u. a.: "Maestro del Giornalismo" der Stadt Modena (86), Gran Premio Trento (87), Guidarello-Preis für Journalismus (88), Cesare-Angelini-Preis für "Professione verità" (88), Fregene-Preis (90), Walter-Tobagi-Preis (90), Ugo-La-Malfa-Preis (90), Premio della Cultura (90), Pannunzio-Preis (90), Neapel-Preis für Journalismus (90), Giornalista dell'Anno (91), Prinz-von-Asturien-Preis (96).



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