Hubertine Underberg-Ruder
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Internationales Biographisches Archiv
Hubertine Anna Underberg-Ruder wurde am 17. Juli 1962 als erstes von vier Kindern von Christiane und
U. legte 1981 ihr Abitur am Stiftsgymnasium in Xanten ab. Anschließend studierte sie Biologie mit Hauptfach Mikrobiologie an der Universität Tübingen. Ihr Studium schloss sie 1988 als Diplom-Biologin ab. 1990 promovierte sie in Holland an einem Institut des Ministeriums für Landbau und Fischerei mit einer Arbeit zum Thema "Kartoffelkrankheiten im Wurzelbereich".
Entwicklung des FamilienunternehmensU.s berufliche Laufbahn war durch ihre Tätigkeit im Familienunternehmen Underberg geprägt. Ihr Ururgroßvater Hubert Underberg hatte 1846 in Rheinberg am Niederrhein nach einer bis heute geheim gehaltenen Rezeptur einen Kräuterbitter entwickelt, den er als erster deutscher Spirituosenhersteller in Zeitungsanzeigen anbot und bald in großem Stil produzieren und verkaufen konnte. Unter den zwölf Enkeln des Firmengründers kam es dann allerdings zu einer langwierigen Auseinandersetzung um das unternehmerische Erbe des Großvaters, aus der schließlich Dr. Josef, Dr.
U.s Großvater kreierte 1949 die mit Strohpapier umwickelte 2cl-Underberg-Portionsflasche, die sich am Markt schnell durchsetzte und dem Unternehmen zu großem geschäftlichen Erfolg verhalf. Geworben wurde später mit dem Slogan "Komm doch mit auf den Underberg" auf die Melodie des "River-Quai-Marsches". Nach dem Tod des Großvaters übernahm 1958 U.s Großmutter Margarete († 1986) als geschäftsführende Gesellschafterin die Leitung des Unternehmens, zusammen mit ihrem Schwager und Teilhaber Dr.
1964 trat U.s Vater Emil Underberg als geschäftsführender Gesellschafter in das Familienunternehmen ein, der sich darum bemühte, den durch Erbschaftsverfügungen zersplitterten Unternehmensbesitz wieder zu einen. Ab 1981, mit dem Ausscheiden seines Vetters Carl-Hubertus († 2002), war das Unternehmen wieder in einer Hand. Die Familie Underberg gehört dem Bund Katholischer Unternehmen in Deutschland an und sieht ihre moralische Leitschnur in christlichen Werten.
Verwaltungsrats-Präsidentin der Underberg AG1991 stieg U. in das Familienunternehmen ein und wurde Präsidentin des Verwaltungsrates der Underberg AG in Zürich. Dadurch und durch ihre Einweihung in das Geheimnis des Magenbitters im Aug. 1991 wurde die Entscheidung für die Nachfolge in der Unternehmensleitung getroffen. U. repräsentierte die fünfte Generation der Familienfirma und gehörte - neben ihren Eltern und drei katholischen Geistlichen - zu den "Geheimnisträgern" des Rezepts für den Kräuterschnaps. Das geheime Herstellungsverfahren und die Inhaltsstoffe, "Semper idem" ("Immer dasselbe"), die aus 43 Länder kommen sollen, wurden traditionell bisher nur dem jeweiligen Inhaber des Unternehmens und dessen Ehefrau mündlich überliefert.
1994 kam zu den Aufgaben von U. ein Aufsichtsratsmandat beim Stammsitz in Rheinberg, der Semper idem Underberg AG (2009-2011: Semper idem GmbH, 2011-2018: Semper idem Underberg GmbH) hinzu. Bis 2011 war sie auch Vorstandsmitglied bzw. Geschäftsführerin (zuletzt für Qualitätssicherung und Strategische Markenführung) von Semper idem. Im Febr. 2011 übernahm sie dann den Vorsitz im Beirat der Semper idem Underberg GmbH (bis 2018).
GeschäftsentwicklungUnter der Führung von U.s Vater hatte sich das Unternehmen, das zuvor ausschließlich auf den Magenbitter-Markt ausgerichtet war, zu einem internationalen Getränke-Haus entwickelt. Mit den Marken Underberg und Asbach gehören zwei deutsche Traditionsmarken zum Hause. Mit den Eigenmarken Pitú (Cachaça), Xuxu (Erdbeerdrink), Grasovka (Wodka) und Riemerschmid-Sirup wurde der trendige Bereich bedient. In Österreich gehörte die an der Börse notierte Schlumberger AG bis Juli 2014 mehrheitlich zu Underberg, und U. hatte dort mehrere Jahre den Vorsitz des Aufsichtsrates inne. Außerdem war sie ab 2006 als Vorsitzende des Aufsichtsrats der Tochter Zwack Unicum Nyrt, tätig.
Im Okt. 2008 vereinbarte Underberg mit der Cointreau Holding GmbH ein Joint Venture (50/50), die Diversa GmbH, die ab April 2009 die Vertriebsschienen Lebensmitteleinzelhandel, Discounter und Cash&Carry mit Produkten der Gesellschafter bediente. Die 100%-ige Diversa-Tochter TeamSpirit Internationale Markengetränke GmbH betreute dagegen die Bereiche deutscher Fachgroß- und Facheinzelhandel und Gastronomie. Zum Sortiment gehörten neben Underberg und Asbach u. a. auch der Vertrieb von Moskovskaya Wodka und Krimskoye Sekt, Averna, Amarula, Rémy Martin, Cointreau, Metaxa, Champagner Piper Heidsieck.
Der Umsatz des Konzerns wurde seit 2003 jahrelang mit ca. 500 Mio. Euro beziffert, die Zahl der Mitarbeiter mit ca. 1.000. Die Ertragszahlen wurden ähnlich geheim gehalten wie das Rezept des Kräuterbitters. Im Duty-Free-Bereich lag Underberg laut Handelszeitung (3.11.2005) weltweit auf Platz 19 von 50 Topmarken.
U. übernahm verschiedene Aufgaben im Konzern, u. a. steuerte sie zentrale Ausschüsse des Aufsichtsrates für Personal und Marktführung. Zum 165. Firmenjubiläum im Juni 2011 kündigte U. an, durch Zukäufe und organisches Wachstum v. a. das Auslandsgeschäft ausbauen zu wollen. Dazu platzierte der bisher sehr verschwiegene Mittelständler im April 2011 eine Anleihe, die nach Medienangaben insgesamt 70 Mio. Euro einbrachte - allerdings zu Zinsen von 7,125 %, zurückzuzahlen bis 2016.
Underberg in der KriseIm Juli 2014 verkaufte Underberg das gesamte Aktienpaket der Schlumberger AG für 33 Mio. Euro an die Sastre Holding Lausanne (Schweiz). Medien sahen darin einen Hinweis auf eine Krise bei Underberg, wo man weder das Marketing modernisiert noch neue Produkte entwickelt habe (vgl. manager magazin, 9/2014). Insgesamt war der Spirituosenumsatz in Deutschland seit Jahren rückläufig. Hinzu kam das stockende Auslandsengagement des Unternehmens und die wachsende Konkurrenz globaler Konzerne wie Diageo oder Pernod Richard auf dem deutschen Markt. Nach Angaben des manager magazin (ebd.) gingen jedoch gleichzeitig in den Geschäftsjahren 2007/2008 bis 2012/2013 die gesamten Überschüsse an die Eigentümer, was zu einem stetig wachsenden Bilanzverlust führte, der 2012/2013 bei etwa 23 Mio. Euro lag. Um die Liquidität des Familienunternehmens zu sichern, wurden im Juli 2014 zusätzlich zum Verkauf der Schlumberger-Anteile eine neue Anleihe als Privatplatzierung (30 Mio. Euro) aufgelegt, sowie später auch noch einige Grundstücke und Immobilien veräußert.
Der Abwärtstrend setzte sich zunächst fort und im Geschäftsjahr 2016/2017 lag der Umsatz der Kerngesellschaft Semper idem Underberg GmbH bei rund 168 Mio. Euro, drei hochverzinste Anleihen im Gesamtwert von 80 Mio. Euro drückten zudem den Profit (Hbl.,15.5.2017). Ende 2018 gab U. den Verlust des wichtigen Partners Rémy Cointreau bekannt, der zur finanziellen Stabilität der Spirituosen-Dynastie beigetragen hatte und im März 2019 aus dem 50/50-Joint-Venture mit Underberg ausstieg (s. o.). Rémy Cointreau nahm auch seine Marken aus der gemeinsamen Vertriebsgesellschaft Diversa, die damit ca. ein Achtel ihrer umgesetzten Menge einbüßte (Hbl., 19.12.2018).
Auf Wachstumskurs - Firmenjubiläum2020 nahm die Rheinberger Unternehmensgruppe nach den herben Rückschlägen mit einem Neustart und einer Wachstumsstrategie wieder Fahrt auf. Setzte die Semper idem Underberg AG (Wechsel der Rechtsform von GmbH zu AG im Jan. 2018) im Geschäftsjahr 2017/2018 ca. 125 Mio. Euro um und erwirtschaftete einen Gewinn in Höhe von 6,4 Mio. Euro, so lag der Umsatz im Geschäftsjahr 2021/2022 bei 141 Mio. Euro, der Gewinn bei 12,8 Mio. Euro. Dazu hatte u. a. der Wirtschaftsingenieur Moritz Underberg, U.s Neffe und Teil der sechsten Generation der Unternehmerfamilie, beigetragen, der im April 2019 in den Vorstand der Traditionsfirma eingetreten war. Er verantwortete die Bereiche Marketing und Innovation, die für den positiven Wachstumstrend sorgten. "Vitalisierte und modernisierte Kernmarken (...) neue Kommunikationskanäle, Mixgetränke, Antialkoholisches, Social Media - all das hat jetzt Platz im Underberg-Universum" befand die Frankfurter Allgemeine Zeitung (16.9.2024). Im selben Jahr schied U.s Vater Emil Underberg aus dem Aufsichtsrat aus und fungierte danach als dessen Ehrenvorsitzender. Christiane Underberg, U.s Mutter, blieb zunächst stellv. Vorsitzende des Aufsichtsrates.
Im Aug. 2021 verließ Moritz Underberg auf eigenen Wunsch das Unternehmen wieder. Im selben Jahr feierte Underberg das 175. Firmen-Jubiläum mit einem großen Relaunch des Markenauftritts: Die papierumhüllte Kleinflasche blieb, wie sie ist, allerdings bekam die Packung das trendige Motto "PopArt meets deutsche Romantik", das Tradition und Moderne verband. Auch ein anderer Kräuterlikör, die Marke Hubertus Tropfen, trieb den Umsatz an, seit er mit Pfefferminz-, Johannisbeer- oder Apfelgeschmack ein Update erhielt. Im neuen Kleinflaschenwerk am Asbach-Standort Rüdesheim, der das Werk in Berlin ablöste, nahm eine zweite Abfülllinie für Hubertus Tropfen die Produktion auf (vgl. inside-getraenke.de, 9.9.2021).
Die sechste Familiengeneration im AufsichtsratIm Febr. 2024 zog Ludwig Ruder, ältester Sohn von U., als Vertreter der sechsten Familiengeneration in den Aufsichtsrat der Semper idem Underberg AG ein. Er löste in dem Gremium seine Großmutter Christiane Underberg ab und übernahm von ihr auch den stellv. Vorsitz des Aufsichtsrates, dem U. weiterhin angehörte.
Im Juli 2024 vermeldete die Underberg-Gruppe für das Geschäftsjahr 2023/2024 trotz Kostendrucks und Konsumzurückhaltung ein verbessertes Konzernergebnis. Obwohl der Umsatz mit 142 Mio. Euro leicht unter dem Vorjahreswert lag (145 Mio. Euro), stieg der Gewinn von 11,6 auf 12,8 Mio. Euro. Die Transformation des Unternehmens wurde u. a. mit neuen Produkten, wie dem Underberg Espresso Herbtini, der 2023/2024 auf den Markt kam, und neuen Distributionsmarken fortgesetzt. Durch die Zusammenarbeit mit der nordischen ANORA Group vertreibt die Underberger Diversa Spezialitäten GmbH nun neben Koskenkorva Vodka auch die Marken LINIE Aquavit und Malteserkreuz Aquavit. Außerdem engagierte der Kräuterlikörhersteller mit der Stuttgarter HipHop-Band "Die Fantastischen Vier" einen neuen Werbepartner für eine Online-Kampagne ab Okt. 2024 - „4 Sekunden Stille: Kleines Ritual – Große Freundschaft". Darüber hinaus bemühte sich das 240 Mitarbeiter umfassende Unternehmen um einen Schuldenabbau, der u. a. durch die vorzeitige Rückführung der Anleihe 2018/2024 realisiert wurde. Im Sept. 2024 wurde eine neue Anleihe 2024/2030 (Volumen: 35 Mio. Euro) platziert, deren Emissionserlös der frühzeitigen und vollständigen Refinanzierung der Anleihe 2019/2025 diente.
U. ist seit 1989 mit Franz Ruder, Direktor für Finanzen und Beteiligungen der Underberg AG, verheiratet. Das Paar hat vier Kinder, Ludwig, Josefine, Jakob sowie Antonia und lebt in der Schweiz.
Mitgliedschaften/Ämter u. a.: Aufsichtsrats-Vorsitzende der Gurktaler AG, Mitglied der Vollversammlung der Niederrheinischen Handelskammer, stellv. Vorsitzende des Gesellschafterrates des NIM, Präsidiumsmitglied der Deutschen Universitätsstiftung.
c/o Semper idem Underberg AG, Hubert-Underberg-Allee 1, 47495 Rheinberg, Tel.: 02843 920-0, E-Mail: services@underberg.com, Internet: https://semper-idem-underberg.com
c/o Underberg AG, Industriestrasse 31, 8305 Dietlikon, Schweiz, Tel.: +41 1 8051921, E-Mail: hubertine.underberg-ruder@underberg.com, Internet: https://www.underberg.com