MUNZINGER Wissen, das zählt | Zurück zur Startseite
Wissen, das zählt.


MUNZINGER Personen

John McGahern

irischer Schriftsteller
Geburtstag: 12. November 1934 Dublin
Todestag: 30. März 2006 Dublin
Nation: Irland

Internationales Biographisches Archiv 28/2006 vom 15. Juli 2006 (mf)


Blick in die Presse

Herkunft

John McGahern wurde 1934 als ältestes Kind eines Polizeiwachtmeisters und einer Lehrerin in Dublin geboren. Er wuchs mit sechs jüngeren Schwestern in den Grafschaften Leitrim und Roscommon im Westen Irlands auf. Die Mutter starb an Krebs, als M. zehn Jahre alt war, der Vater, ein ehemaliger I.R.A.-Kämpfer, war wegen seines gewalttätigen Temperaments gefürchtet.

Ausbildung

M. besuchte das Presentation College in Carrick-on-Shannon, dann das St. Patrick's Training College in Dublin und studierte anschließend am University College in Dublin.

Wirken

An der angesehenen St. John the Baptist Boys School in Clontarf unterrichtete er nach seinem Studium von 1956 bis 1964 als Grundschullehrer. Ein Stipendium für seinen Debütroman "The Barracks" (1963) führte ihn für ein Jahr nach London, Frankreich und Deutschland. Wegen seines Romanes "The Dark" (1965), dem "höchste bischöfliche und ministerielle Missbilligung zuteil" wurde, wie es im Klappentext der deutschen Ausgabe heißt, wurde M. aus dem Schuldienst entlassen. Er verlor damit seine Existenzgrundlage und sah sich gezwungen, für zehn Jahre ins Exil zu gehen, das er u. a. in England, Frankreich, Finnland und den USA verbrachte. Zunächst hielt er sich als Bauarbeiter, Rezensent und Hörspielautor über Wasser. Nachdem er an verschiedenen Londoner Grundschulen unterrichtet hatte, erhielt er 1968 einen Lehrauftrag an der University of Reading. Seit 1969 lehrte er u. a. mehrfach als Gastdozent an der Colgate University, Hamilton, New York und von 1974 bis 1976 an der University of Newcastle.

M.s Bücher, die auch autobiographische Anklänge enthalten, beschreiben die Enge und Düsternis des ländlichen Irland; überkommene Traditionen, autoritäre Familienstrukturen und die Allmacht der Kirche scheinen das Leben zu erdrücken. Obwohl die Grundstimmung in seinem Werk düster und melancholisch ist, gilt auch scharfzüngiger Humor als eines seiner prägenden Stilmittel. Mit seinen insgesamt sechs Romanen und mehreren Erzählbänden avancierte McG. zu einem der wichtigsten Schriftsteller Irlands. Kritiker sahen in ihm den Nachfolger von James Joyce. Den ersten Roman veröffentlichte er 1963 unter dem Titel "The Barracks" (dt. Die Polizeiküche) und schilderte darin gefühlvoll die Lebensgeschichte einer an Brustkrebs sterbenden Frau eines Polizisten. Für einen breiten Skandal sorgte 1965 sein zweites, als tabuverletzend empfundenes Werk "The Dark", das verboten wurde und seinen Autor die Lehrerlaubnis in Irland kostete. "The Dark" handelt von einem jungen Mann, der als Heranwachsender unter seinem autoritären Vater zu leiden hat und dem er sich erst spät und unvollkommen entziehen kann. Er flüchtet sich zunächst in erotische Fantasien, die jedoch zu Gewissensbissen und Verlust an Selbstvertrauen führen. Eine andere Fluchtmöglichkeit aus dem familiären Dilemma ist ein Stipendium für das Studium zum Priesteramt, aber der Sohn schlägt das Stipendium aus und entscheidet sich trotz großer Begabung nur für eine mittelmäßige Beamtenkarriere.

Nach dem Aufruhr um "The Dark" mit dem dadurch erzwungenen Exil brauchte M. fast zehn Jahre, um wieder einen Roman zu schreiben. Auf "The Leavetaking" (1974), der Geschichte eines irischen Lehrers, der in London eine geschiedene Frau heiratet und damit gegen die Gesetze der in seiner Heimat allmächtigen katholischen Kirche verstößt, folgte der Roman "The Pornographer" (1979; dt. Der Pornograf). Ein Autor pornografischer Geschichten beginnt darin eine Beziehung zu der Bankangestellten Josephine, die von ihm schwanger wird und die er verlässt, nachdem er sie nicht zu einer Abtreibung bewegen kann. So provokant auch Titel und Stoff für irische Verhältnisse sein mochten: "The Pornographer" wurde von der Kritik als zutiefst moralisches Buch bezeichnet; der Held im Dilemma zwischen eigener Unabhängigkeit und Bindung entscheidet sich am Ende doch für die Ehe mit einer anderen Frau.

Große Anerkennung von Seiten der englischen Literaturkritik und die Verleihung des "GPA Book Award" (1992), des renommiertesten irischen Literaturpreises, wurde M. schließlich für den auch kommerziell erfolgreichen Roman "Amongst Women" (1990) zuteil. Der wochenlang auf den Bestsellerlisten stehende Roman schildert ein Familiendrama zwischen alter und moderner irischer Gesellschaft. Die Hauptfigur, der alte starrsinnige Moran, Kämpfer des irischen Unabhängigkeitskriegs und despotischer Familienvater, versucht, in seinem Haus die traditionellen irischen Werte durchzusetzen. Seine Nachkommen jedoch flüchten vor der bigotten Enge auf dem irischen Land, aber auch vor der perspektivlosen ökonomischen Situation.1998 diente der Roman als Grundlage für eine BBC-Serie.

M.s letzter Roman "That They May Face the Rising Sun" (2001; in den USA unter dem Titel "By the Lake") fand auf Grund seiner beschaulichen Thematik – über die Rituale einer ländlichen Gemeinde im Jahreszyklus - weniger Anklang. Vier Jahre später, nachdem bei dem Schriftsteller bereits eine Krebserkrankung diagnostiziert worden war, folgten mit "All Will Be Well: A Memoir" seine Lebenserinnerungen. M.s Ruf als "düsterer Chronist, der ebenso beharrlich wie einfühlsam ein Sittenbild der irischen Provinz zeichnete" (NZZ, 3.4.2006) gründete nicht nur auf seinen Romanen, sondern auch seinen zahlreichen Erzählungen. In Deutschland erschien eine Auswahl davon 1996 in dem Band "Die Bekehrung des William Kirkwood", 1998 folgte die Erzählung "In einer solchen Nacht".

Familie

M. war in erster Ehe mit der finnischen Theaterregisseurin Anikki Laaki bis 1970 verheiratet. 1973 heiratete er seine zweite Frau Madeline Green, eine amerikanische Fotografin. Nach seiner Rückkehr nach Irland im Jahr 1974 (n. a. A. 1973) zog er mit ihr auf einen einsamen Bauernhof nahe Mohill in der Provinz Leitrim. Im Alter von 71 Jahren starb M. in Dublin an einer Krebserkrankung.

Werke

Veröffentlichungen u. a.: "The Barracks" (63; Roman; dt. Die Polizeiküche), "The Dark" (66; Roman, dt. Das Dunkle), "Nightlines" (70; Erzählungen), "The Leavetaking" (74; Roman, dt. Abschiednehmen), "Getting Through" (78; Erzählungen), "The Pornographer" (79; Roman, dt. Der Pornograf bzw. als Tb. Der Liebhaber), "High Ground and Other Stories" (85; Erzählungen), "Amongst Women" (90; Roman; dt. Unter Frauen), "The Power of Darkness" (91; Theaterstück UA Dublin 91), "The Collected Stories" (93; Erzählungen), "That They May Face the Rising Sun" (02; Roman), " All Will Be Well: A Memoir" (05; Autobiographie) und die dt. Ausgabe "Die Bekehrung des William Kirkwood" (96; Erzählungen) sowie "In einer solchen Nacht" (98; Erzählung).

Auszeichnungen

Auszeichnungen u. a.: AE Memorial Award (62), The Arts Council of Great Britain Awards (66, 68, 71, 78), Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres (89), Irish Times/Aer Lingus Literature Prize (90), American Irish Award (90), Ehrendoktorwürde des Trinity College Dublin (92), GPA Award (92).

Adresse

Letzte Adresse: c/o Steidl Verlag, Düstere Str. 4, 37037 Göttingen, Tel.: 0551 49606-0

Letzte Adresse: c/o Faber & Faber, 3 Queen Square, London, WC1N 3AU, Großbritannien

John McGahern



Die Biographie von John McGahern ist nur eine von über 40.000, die in unseren biographischen Datenbanken Personen, Sport und Pop verfügbar sind. Wöchentlich bringen wir neue Porträts, publizieren redaktionell überarbeitete Texte und aktualisieren darüberhinaus Hunderte von Biographien.
Unsere Datenbanken sind unverzichtbare Recherchequelle für Journalisten und Publizisten, wertvolle Informationsquelle für Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft, Grundausstattung für jede Bibliothek und unerschöpfliche Fundgrube für jeden, der mit den Zeitläuften und ihren Protagonisten Schritt halten will.



Lucene - Search engine library