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John Fredriksen

norwegisch-zypriotischer Investor und Reeder
Geburtstag: 11. Mai 1944 Etterstad bei Oslo
Nation: Norwegen, Zypern

Internationales Biographisches Archiv 30/2008 vom 22. Juli 2008 (cs)
Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 08/2014


Blick in die Presse

Herkunft

John Frederiksen wurde am 11. Mai 1944 in Etterstad bei Oslo geboren. Der Vater war Schlosser, die Mutter arbeitete in einer Kantine.

Ausbildung

F. besuchte neben der Arbeit die Handelsschule.

Wirken

16-jährig begann F. als Bote bei dem Schiffsmakler Blehr & Tenvig. Dabei begeisterte er sich für die Schifffahrt und ferne Ozeane. In den 60er Jahren verschiffte er beispielsweise Frischfisch von Island nach Hamburg. Ende des Jahrzehnts kam er erstmals mit dem Öltransport in Berührung, dessen langfristige Potenziale für das Reedereiwesen er klar erkannte. Als angestellter Makler sammelte er schließlich Erfahrungen in Oslo, New York, Singapur, Athen und London.

1974 machte sich F. selbstständig, wurde Partner der Reederei Northern Shipping und verschiffte Öl auch in Ostblockstaaten. Ab 1978 arbeitete er ganz auf eigene Rechnung. Dabei bewies er früh Spürsinn für zukunftsträchtige Entwicklungen und die Bereitschaft, Risiken einzugehen und kritische Situationen durchzustehen. Von daher kam auch sein Spitzname "storvargen" (Wolf). So nutzte er im Gefolge der Ölkrisen den Rückgang der Frachtraten und den Verfall der Tanker-Preise, um eine eigene Flotte aufzubauen. Seinen Durchbruch als Reeder erreichte F. während des iranisch-irakischen Krieges ab 1980, als er ungeachtet der Gefahren den Öltransport durch den Persischen Golf wagte, dabei aber auch das Leben seiner Schiffbesatzungen aufs Spiel setzte. Schon 1978 hatte er wegen des Konfliktes mit den norwegischen Steuerbehörden seinen Arbeitsschwerpunkt nach London verlegt. 1986 wurde er in Norwegen für vier Monate inhaftiert, da er Ölreste in den transportierten Tanks illegal selbst genutzt hatte. F. zahlte zuletzt eine Buße und entging so einer Verurteilung.

Übergeordnete Dachfirma für F.s Beteiligungen und Interessen wurde die auf Zypern angemeldete Hemen Holdings, ergänzt durch die Firmen Meisha sowie Geveran Trading. Über diese Investment-Firmen erwarb F. meist zwischen einem Drittel und der Hälfte der Anteile an weiteren Unternehmen.

1996 sicherte er sich über die Hemen an der schwedischen Frontline 34,9 % und setzte mit durchaus rauen Methoden bis 1997 seinen Führungsanspruch als Chairman und Chief Executive Officer (CEO) durch. Die 1985 aus Fusionen entstandene Frontline verlegte ihren Sitz auf die Bermudas, und F. machte sie zur Dachfirma seiner Reederei-Interessen. Ab 1997 erfolgten weitere Übernahmen, über welche die Frontline auch über das Feld der Öl-Verschiffung hinaus diversifizierte. Für diese Transaktionen baute er die Ship Finance International. Zudem gab F. regelmäßig den Bau neuer Schiffe in Auftrag, verkaufte auch einige und leaste diese günstig zurück. Frontline stieg binnen eines Jahrzehnts zur größten Öl-Reederei der Welt auf. Schließlich gehörten zur Frontline-Gruppe die schwedische ICB Shipping (Öl), die Golar LNG (verflüssigtes Erdgas), die börsennotierte und operativ verselbstständigte Golden Ocean Group (Trockenlast) und die niederländische Dockwise (Schwergut), welche 2007 mit der norwegischen Sealift fusionierte. 2005 verkaufte F. mit Profit die P&O Nedlloyd (Trockengut), und 2007 wurde die Sea Production, ein Spezialist für Lagerung, verselbstständigt. 2008 engagierte sich Frontline als Aktionär beim US-Wettbewerber Overseas Shipholding Group. Der Frontline-Umsatz ging 2006 auf 2007 von 1,56 auf 1,30 Mrd. US$ zurück, während der Nettoerlös von 516 auf 570 Mio. US$ stieg. Bis 2008 erhöhte die Frontline ihre Tankerflotte auf 90 Schiffe.

Parallel zum Kerngeschäft diversifizierte F. ab Ende der 90er Jahre und investierte damals zunächst in den Aufbau der Inkasso-Firma Aktiv Kapital.

2005 kaufte F. Anteile an der SeaDrill, die sich auf den Bau von Plattformen für Öl- und Gasförderung verlegte. In diese brachte F. die von ihm kontrollierte Seatankers Management Co Ltd. ein. Zudem erstand F. 2006 über die SeaDrill, deren Chairman er wurde, die Mehrheit an der Smedvig. Die SeaDrill-Gruppe verlegte F. auf ein junges, zukunftsträchtiges Geschäftsfeld, die Förderung unter extremen klimatischen Bedingungen und in großen Tiefen. Für diesen Zweck ließ er zwei 2008 ausgelieferte Plattformen in Südkorea für 900 Mio. US$ bauen. Mitte 2008 besaß SeaDrill 38 Bohranlagen, die teils noch in Bau waren. 2006 hatte die Firma einen Umsatz von 1,15 Mrd. US$ und einen Reinerlös von 214 Mio. US$ verbucht.

2005 erwarb F. auch die Hälfte der Aktien am damals darbenden norwegischen Lachszüchter Pan Fish. Nach Zukauf der Marine Harvest und der Fjord Seafood bis Ende 2006 formte S. unter der Marine Harvest als Dachfirma den weltweit führenden Fisch- und Meeresfrüchte-Anbieter. Dieser steigerte den Umsatz 2007 auf 14,1 Mrd. norwegische Kronen. F.s Geveran Trading blieb mit 27 % Hauptakionär.

2007/2008 erstand F. dann 11,7 % an der TUI AG und wurde bei Europas führendem, aber strauchelndem Touristik-Konzern größter Einzelaktionär. Auf der Hauptversammlung im Mai 2008 unterlag F. mit der Forderung, TUI-Chef Michael Frenzel und den Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Krumnow abzulösen. Ungeachtet dessen empfahl F. eine Abspaltung der mit dem Kerngeschäft kaum verbundenen TUI-Tochter Hapag-Lloyd (Containerschiffe) und deren späteren Börsengang. Dahingegen plante Frenzel deren Verkauf. Bis Juni erhöhte F. seinen TUI-Anteil auf über 15 %.

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21. Juli 2008: TUI, Machtkampf

Im Machtkampf um die Zukunft des Reise- und Schifffahrtkonzerns TUI erhöht Alexej Mordaschow seinen Anteil auf 15,03 % und übertrumpft damit John Fredriksen als größten Einzelaktionär (15,01 %). Mordaschow betont seine Unterstützung für Michael Frenzel und Jürgen Krumnow, nachdem Fredriksen zuletzt eine Ablösung des Vorstands- und des Aufsichtsratsvorsitzenden gefordert hatte.

12. Oktober 2008: TUI, Verkauf von Schifffahrttochter an Hamburger Konsortium

Der Aufsichtsrat der TUI AG stimmt dem Verkauf der Schifffahrttochter Hapag-Lloyd an das Hamburger Konsortium "Albert Ballin" zu. Der Kaufpreis beträgt 4,45 Mrd. Euro, darin enthalten ist die Übernahme von Schulden in Höhe von 2 Mrd. Euro. Für 700 Mio. Euro erwirbt TUI einen Anteil von 33 % an der Gesellschaft, die von dem Unternehmer Klaus-Michael Kühne angeführt wird. Außerdem gehören die HSH Nordbank, die Versicherungen Signal Iduna und Hanse Merkur sowie die Stadt Hamburg, die sich mit 484 Mio. Euro beteiligt, zu dem Konsortium.

4. März 2009: Rettung von Tochterunternehmen

Der norwegische Reeder John Fredriksen rettet sein Tochterunternehmen Golden Ocean vor der Pleite. Er erwirbt für 40 Mio. US$ festverzinsliche Schuldverschreibungen der Reederei, die durch Auftragsstornierungen in Zahlungsschwierigkeiten geraten war. Fredriksen ist zu 40,3 % an der Massengut-Reederei Golden Ocean beteiligt.

9. April 2009: TUI, Großaktionär erhöht Anteil

Aus einer Mitteilung an den Vorstand des TUI-Konzerns geht hervor, dass John Fredriksen seine Beteiligung erhöht hat und mittlerweile 16,81 % der Anteile besitzt.

13. Mai 2009: TUI, Antrag auf Abwahl des Aufsichtsratschefs abgelehnt

John Fredriksen scheitert auf der Hauptversammlung des TUI-Konzerns mit seinem Antrag, Aufsichtsratschef Jürgen Krumnow abzuwählen. Nur 34,91 % der Aktionäre sprechen sich für einen Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats aus.

28. Oktober 2009: TUI, Neuer Aufsichtsratsvorsitzender

Der frühere RWE-Chef Dietmar Kuhnt wird zum Aufsichtsratsvorsitzenden des Touristikkonzerns TUI gewählt. Er tritt die Nachfolge von Jürgen Krumnow an, der den Vorsitz unter Angabe persönlicher Gründe abgibt und das Aufsichtsgremium zum Jahresende verlässt.

13. Dezember 2010: TUI, Umbau im Aufsichtsrat

Der Tourismuskonzern TUI bereitet einen Umbau im Aufsichtsrat vor. Auf der Hauptversammlung im Febr. 2011 soll Klaus Mangold den bisherigen Aufsichtsratschef Dietmar Kuhnt ablösen. Zudem soll der Aufsichtsrat von 20 auf 16 Mitglieder verkleinert werden. Dem norwegische Großaktionär John Fredriksen bleibt die Teilnahme an dem Gremium weiterhin verwehrt, er kann keinen Vertrauten auf der Vorschlagsliste des Nominierungsausschusses unterbringen.

10. Februar 2011: TUI AG, Hauptversammlung - Wechsel an Spitze des Aufsichtsrats

Klaus Mangold wird zum neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrats der TUI AG gewählt. Er wird Nachfolger von Dietmar Kuhnt, der nach den Regeln der Geschäftsordnung nicht mehr für den Aufsichtsrat kandidieren durfte. Neu in den Aufsichtsrat gewählt wurde bei der Hauptversammlung am 9. Febr. 2011 u. a. der ehemalige Chef der Fondsgesellschaft DWS, Christian Strenger, der auch die Zustimmung des kritischen Großaktionärs John Fredriksen fand. Bei der Hauptversammlung sprechen sich mehrere Aktionärsvertreter für einen Führungswechsel nach Ablauf des Mandats des Vorstandsvorsitzenden Michael Frenzel (März 2012) aus. Medien hatten zuvor berichtet, dass Frenzel möglicherweise eine Vertragsverlängerung über dieses Datum hinaus anstreben könnte.

September 2011: Kauf weiterer TUI-Anteile durch S-Group Travel Holding

Die vom russischen Unternehmer Alexej Mordaschow kontrollierte S-Group Travel Holding stockt ihren Anteil an dem Touristik-Konzern TUI von 20,45 auf 25,06 Prozent auf. Die russische Gesellschaft ist mit weitem Abstand größter Aktionär und hält nunmehr auch eine Sperrminorität. Damit schwindet der Einfluss des norwegischen Reeders und Milliardärs John Fredriksen. Mordaschow gilt als Unterstützer von TUI-Chef Michael Frenzel.

10. Dezember 2011: Frontline, Sanierungsplan

Die FAZ berichtet, dass der norwegische Reeder John Fredriksen einen Plan zur Sanierung der angeschlagenen Reederei Frontline vorgelegt habe, wonach die größte Tankerflotte der Welt in zwei Unternehmen aufgespalten werden soll. Fredriksen hält über seine Holdinggesellschaft Hemen 34 % der Anteile an Frontline. Des weiteren will er mit Garantien und Bürgschaften im Wert von insgesamt über 500 Millionen US$ die Reederei vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

22. November 2013: TUI AG, Großaktionär stockt auf

Die FAZ meldet, dass der norwegisch-zypriotische Investor John Fredriksen seinen Anteil an der TUI AG von 15 % auf über 20 % aufstockt. Gleichzeitig verkauft er seine gesamte Beteiligung (5,4 %), die er an der englischen TUI travel plc hält. Fredriksen soll Insidern zufolge in gutem Kontakt mit dem russischen Großaktionär Alexej Mordaschow stehen, der 25 % an der TUI AG hält.

21. Februar 2014: TUI AG, Großaktionär reduziert Anteile

Die FAZ meldet, dass der norwegische Unternehmer John Fredriksen den größten Teil seiner 20,1 %-Anteile an der TUI AG verkauft hat. Für 15,7 % der Aktien nahm er 521 Mio. Euro ein. U. a. kaufte TUI-Vorstandschef Friedrich Joussen Aktien im Wert von 500.000 Euro, und der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Mangold investierte 250.000 Euro. Damit bleibt Alexej Mordaschow (25,29 %) als einziger echter TUI-Großaktionär übrig.

Familie

F. ist verwitwet. Der Krebstod seiner Frau Inger rief Ende 2006 in Norwegen große Anteilnahme hervor. Die Zwillingstöchter Kathrine und Cecilie (geb. 1983) arbeiteten sich in Singapur ins Schifffahrtsgeschäft ein und sind fest in F.s Konzern verankert. F. unterhält mehrere Wohnsitze, darunter einen auf Zypern und ein Anwesen in London-Chelsea. Er sammelt norwegische Kunst und fördert den Osloer Fußballclub Vålerenga. Um den norwegischen Steuern zu entkommen, gab er 2006 aber seinen norwegischen Pass ab und wurde Zypriote. Forbes schätzte F.s Vermögen 2008 auf 7 Mrd. US$.

Adresse

c/o Frontline Management AS, Bryggegata 3, 0112 Oslo, Norwegen, Tel.: +47 23 114000, Internet: www.frontline.bm



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