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Hans L. Ewaldsen

deutscher Industriemanager
Geburtstag: 6. September 1923 Lunden/Schleswig-Holstein
Todestag: 5. Februar 2013 Essen
Nation: Deutschland - Bundesrepublik

Internationales Biographisches Archiv 34/1994 vom 15. August 1994 (st)
Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 06/2013


Blick in die Presse

Herkunft

Hans Lorenz Ewaldsen wurde 1923 in Lunden/Schleswig-Holstein geboren.

Ausbildung

E. besuchte die Oberrealschule in Flensburg und legte dort 1942 das Abitur ab. Nach Kriegsdienst als Flugzeugführer und zweijähriger Gefangenschaft bis 1947 studierte er Wirtschafts- und Rechtswissenschaften an der Universität Kiel und schloss 1950 mit dem Diplom-Examen ab.

Wirken

Im März 1951 trat E. in die Deutsche Babcock AG, Oberhausen, ein, die seinerzeit noch völlig auf die Fertigung von Großkesseln ausgerichtet war und weitgehend am Gängelband der britischen Muttergesellschaft hing. Zwei Jahre später übernahm E. bei der Deutschen Babcock bereits die Leitung des Finanz- und Rechnungswesen, 1956 zusätzlich die Leitung der Konzernverwaltung. Anfang 1959 wurde ihm die kaufmännische Leitung des Unternehmens übertragen. Im Dez. 1960 rückte er, 37 Jahre alt, in den Vorstand auf, im Febr. 1967 wurde er zum Vorstandsvorsitzenden und Nachfolger von Dr. Jantscha ernannt. In seiner 23jährigen Zugehörigkeit zum Vorstand und den mehr als 16 Jahren, in denen E. an der Spitze der Deutschen Babcock stand, wurde das Unternehmen von einem mittelgroßen Dampfkesselhersteller zu einem weltweit operierenden Konzern mit den Schwerpunkten Energie-, Umwelt- und Verfahrenstechnik sowie Spezialmaschinenbau ausgebaut. Dazu kamen unter der Leitung E.s eine Umstrukturierung des Unternehmens, verbunden mit dem Einstieg in moderne Technologien und hochwertige Qualitätsprodukte. Die Trennung von der britischen Babcock-Gruppe machte den Weg für die Auslandsmärkte frei. Dank der Vielseitigkeit des Produktionsprogramms konnte sich das Unternehmen auch beim Zusammenbruch des konventionellen Kraftwerkmarktes im Inland in den Jahren 1974 bis 1978 und trotz der Konjunkturschwächen im Zusammenhang mit der Ölpreisentwicklung gut behaupten.

E., der 1975 von führenden deutschen Wirtschaftsjournalisten als einer der zehn besten deutschen Manager nominiert worden war, bewährte sich auch als Krisenmanager. U. a. konnte er die vor dem Konkurs stehende Borsig GmbH innerhalb von nur drei Jahren nach Übernahme durch die Babcock wieder in die Gewinnzone führen. Im Geschäftsjahr 1981/82 musste allerdings auch die Deutsche Babcock der zunehmend schwierigen Wirtschaftslage Tribut zollen: In zwei (von insgesamt 127) Geschäftsbereichen kam es bei drei Aufträgen im Nahostbereich zu Einbrüchen, die Verlustrückstellungen in Höhe von 600 Mio. DM nötig machten, die in der Bilanz des Geschäftsjahres mit einem Minus von 389 Mio. DM zu Buche schlugen, das nur durch Auflösung von Rücklagen ausgeglichen werden konnte. Die Dividende musste erstmals ausfallen. Im Geschäftsjahr 1982/83 konnte dann aber bei einem Umsatz von 8,1 Mrd. DM (durch Abrechnung einiger Großaufträge um 27 % höher als im Vorjahr) bereits wieder ein positives Ergebnis vorgelegt werden.

Bereits 1981 war es unter E. zu einer Neuorganisation der Gruppe durch Bildung einer Konzernführungsgesellschaft und fünf operativen Einheiten gekommen. Damit wurde die strategische Unternehmensführung vom Tagesgeschäft getrennt. Die direkt am Markt operierenden Gesellschaften erhielten so die Möglichkeit, sich besser auf Marktbearbeitung und technische Weiterentwicklung der Erzeugnisse auszurichten.

Mit Wirkung zum 1. Okt. 1983 zog sich der damals gesundheitlich angeschlagene E. aus dem aktiven Management zurück und wechselte in den Aufsichtsrat über, dessen Vorsitz er am 16. April 1984 als Nachfolger von Dr. Hans Georg Gottheiner übernahm. Außerdem fungierte er als Aufsichtsratsvorsitzender der fünf größten Konzerntöchter. Sein Nachfolger als Vorstandsvorsitzender wurde Helmut Wiehn, der 1990 von Heyo Schmiedeknecht abgelöst wurde. Als Aufsichtsratsvorsitzender blieb E. dem Unternehmen noch bis 1992 verbunden, dann wurde er von Friedel Neuber, dem Vorstandsvorsitzenden des Babcock-Großaktionärs WestLB, abgelöst. E. selbst wurde zum Ehrenvorsitzenden des Aufsichtsrates ernannt.

Familie

E. starb am 5. Febr. 2013 im Alter von 89 Jahren in Essen. Er war mit Marianne, geb. Paulsen, verheiratet und hatte zwei Söhne: Kay-Hanns und Lars-Lorenz. E.s bevorzugte Freizeitbeschäftigungen waren Tennisspielen und die Jagd. Nach Eintritt in die Rente beschäftigte er sich auch mit den vergleichenden Religionswissenschaften.

Auszeichnungen

Auszeichnung: Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen (88), Ehrendoktor der Universität Essen (89).

Mitgliedschaften

Frühere Mitgliedschaften/Ämter: Aufsichtsratsmandate bei einigen Babcock-Tochtergesellschaften, außerdem bei der Klöckner-Humboldt-Deutz AG, Köln, der Stinnes AG, Mülheim/Ruhr, und bei Gerling-Konzern Welt-Versicherungs-Pool AG.



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