Herkunft
Ewan Gordon McGregor wurde am 31. März 1971 im schottischen Perth als Sohn des Lehrerehepaares James Charles und Carol Diane McGregor geboren. Sein Bruder Colin (geb. 1969) war Pilot bei der Royal Air Force. Geprägt wurde M. insbesondere durch seinen Onkel Denis Lawson, der Schauspieler war und in der ersten "Star-Wars"-Trilogie mitgewirkt hatte.
Ausbildung
Mit 16 Jahren verließ M. - ermutigt von den Eltern - die Schule, um am Perth Repertory Theatre erste Bühnenerfahrung zu sammeln. Es folgte ein Studienjahr im schottischen Kirkcaly, bevor er in London an der Guildhall School of Music and Drama in London ein dreijähriges Schauspielstudium absolvierte.
Wirken
Durchbruch und Popularität mit "Star-Wars"-PrequelsM. begann seine Karriere am Theater und beim Fernsehen. Für seine Darstellung eines smarten Journalisten in "Kleine Morde unter Freunden" (1994; Regie: Danny Boyle) erhielt er mehrere Preise. Einem großen Publikum bekannt wurde M. als Drogenabhängiger in der Boyle-Verfilmung von Irvine Welshs Roman "Trainspotting" (1995). Das schockierende, einfühlsame Porträt der Junkie-Szene im schottischen Edinburgh entwickelte sich in Großbritannien über Nacht zum Kultfilm, wurde aber auch kontrovers diskutiert, da es sich dem klassischen Schema eines aufklärerischen Antidrogenfilms verweigerte. Legendär wurde eine Szene, in der M. in eine dreckige Toilette hinabtaucht, um ein Opiumzäpfchen zu retten, und sich in einer Unterwasserwelt wiederfindet. Zwanzig Jahre später folgte mit "T2 Trainspotting" (2017) eine lt. Kritikern durchaus geglückte Fortsetzung mit der Original-Besetzung.
M.s erste große in den USA gedrehte Filmkomödie, nachdem er bis dahin Stoffe von kleineren britischen Produktionen bevorzugt hatte, war die Boyle-Romanze "Lebe lieber ungewöhnlich" (1997), in der er als hilfloser Kidnapper zu erleben war. Enorme Popularität gewann er als Jedi-Ritter Obi-Wan Kenobi, der in den "Star-Wars"-Prequels (1999, 2002, 2005) mit dem Laser-Schwert gegen das Böse kämpft. "Star Wars" machte M. nach Kritikermeinung zum erfolgreichsten schottischen Hollywoodstar nach Sir Sean Connery.
Karriere nach der JahrtausendwendeFür seine Rolle als liebeskranker Poet im Filmmusical "Moulin Rouge" (2001) an der Seite von Nicole Kidman wurde M., der auch selbst sang, erneut ausgezeichnet. In dieser Zeit war M. auch als James-Bond-Darsteller im Gespräch, er wollte sich aber nicht auf eine Rolle festlegen. Stattdessen bewies er seine Vielseitigkeit in so unterschiedlichen Streifen wie dem umstrittenen Kriegsfilm "Black Hawk Down" (2001), der romantischen Komödie "Down with Love - Zum Teufel mit der Liebe!" (2003) und dem Filmmärchen von "Big Fish" (2004; Regie: Tim Burton). Viel Beachtung fand das Erotik-Drama "Young Adam" (2004) mit M. als gescheitertem Schriftsteller, der auf einem Kohleschlepper anheuert und eine Affäre mit der Frau des Schiffers (Tilda Swinton) beginnt. DIE WELT (9.12.2004) sah in der Rolle "Ewan McGregors bislang größte Herausforderung, weil er einen emotionalen und moralischen Krüppel so spielen muss, dass er weder Sympathie heischt, noch das Publikum abstößt".
In der von Kritikern hoch gelobten Militärfarce "Männer, die auf Ziegen starren" (2009) stellte er einen Kriegsberichterstatter dar, der mit einem Militärveteran (George Clooney) den Aktivitäten einer geheimen, mit parapsychologischer Kriegsführung agierenden US-Army-Einheit nachspürt. Von der Kritik positiv bewertet wurde 2010 auch die Verfilmung von Robert Dennis Harris' Bestseller "Ghostwriter" (Regie: Roman Polanski), in der M. als Memoirenschreiber eines britischen Ex-Premierministers (Pierce Brosnan) auftrat und dafür den Europäischen Filmpreis erhielt.
Für seine "minimalistische Darstellungskunst" (WELT, 9.6.2001) gelobt, die schon jetzt an den späten Paul Newman erinnere, wurde M. für seine Rolle als leicht depressiver Künstler in dem Indie-Film "Beginners" (2010). In der absurden Politsatire "Lachsfischen im Jemen" (2011; Regie: Lasse Hallström) spielte er einen schottischen Fischexperten, der im Wüstenstaat eine Lachsfischfarm gründen soll und in dem emotionalen Katastrophen-Film "The Impossible" (2012; mit Naomi Watts) über den Tsunami von 2004 mit 230.000 Toten in Südostasien einen australischen Vater auf der Suche nach dem Rest seiner fünfköpfigen Familie. An der Seite von Meryl Streep und Julia Roberts sah man M. in dem doppelbödigen Familiendrama "Im August in Osage County" (2013).
Neuere FilmeUnter seinen zahlreichen weiteren Filmen beeindruckte M. seine Kritiker insbesondere in einer Doppelrolle als Messias und teuflischer Versucher in dem wortkargen Drama "40 Tage in der Wüste" (2015; Regie: Rodrigo García). In den Jahren darauf übernahm er u. a. die Titelrolle in Marc Forsters Familienfilm "Christopher Robin" (2018) über das Schicksal von Christopher Robin, dem Jungen aus A.A. Milnes Kinderbuchklassiker "Pu der Bär", der mit dem Erwachsenwerden seine kindliche Unbeschwertheit und den Kontakt zu Pu und seinen Freunden aus dem "Hundert-Morgen-Wald" verliert. Einen Golden Globe erhielt M. 2018 für seinen Part in der 3. Staffel der auf dem gleichnamigen Film der Coen-Brüder basierenden Netflix-Serie "Fargo" in der Kategorie "Bester Schauspieler Serie oder TV-Film". Er gab darin sowohl einen Unternehmer als auch dessen Bruder, der an dessen Vermögen will.
Sonstige TätigkeitenZusammen mit den Schauspielkollegen Jonny Lee Miller, Sean Pertwee, Jude Law und Sadie Frost gründete M. die Produktionsfirma "Natural Nylon", die sich für innovative Filme außerhalb des Mainstreams einsetzte (u. a. "Nora", "Marlowe"). 2002 zog er sich allerdings aus dem Unternehmen zurück.
2004, 2006 und 2019 unternahm M. mit seinem Schauspielerkollegen und Freund Charley Boorman mehrmonatige Motorradtouren durch die Welt, dokumentiert als Buch und Film (DVD bzw. TV-Serie) unter den Titeln "Long Way Round", "Long Way Down" sowie "Long Way Up".
Auch auf die Bühne machte M. gelegentliche Ausflüge. Mit einer Interpretation des "Jago" als freundlicher, umgänglicher Mann in Shakespeares "Othello" am Donmar Warehouse Theatre in London überraschte und spaltete er 2007 die Kritik. Seinen Traum vom Regieführen erfüllte sich M. erstmals mit der Verfilmung des Philip-Roth-Romans "Amerikanisches Idyll" (2016) über einen jüdisch-amerikanischen Geschäftsmann (gespielt von M.), dessen Familienleben in den politischen Wirren der Nachkriegsära ins Wanken gerät, als sich seine Tochter (Dakota Fanning) politisch zu radikalisieren beginnt und nach einem Bombenattentat spurlos verschwindet. M.s Debüt wurde überwiegend gut aufgenommen.
Familie
M. war seit 1995 mit der französischen Filmausstatterin Eve Mavrakis, eine Jüdin, verheiratet und lebt in Los Angeles. Das Paar hat vier Töchter, die jüdisch erzogen wurden: Clara Mathilde (geb. 1996), Esther Rose (geb. 2001), Jamiyan (geb. 2001), die 2006 als Vierjährige aus der Mongolei adoptiert wurde, und Anouk (geb. 2011), als Baby adoptiert. 2018 reichte seine Frau die Scheidung ein, diese wurde 2020 bestätigt. Scheidungsgrund war M.s Affäre mit der Schauspielerin Mary Elizabeth Winstead. M. sammelt und fährt alte Motorräder, spielt Rockmusik und segelt.
Werke
Filmrollen u. a.: "Being Human" (93), "Shallow Grave" (94; dt. "Kleine Morde unter Freunden"), "The Pillow Book" (95), "Trainspotting" (96), "Nightwatch" (97; dt. "Freeze - Alptraum Nachtwache"), "A Life Less Ordinary" (97; dt. "Lebe lieber ungewöhnlich"), "Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung" (99), "Rogue Trader" (99; dt. "High Speed Money"), "Eye of the Beholder" (99; dt. "Das Auge"), "Nora" (00), "Moulin Rouge" (01), "Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger" (02), "Black Hawk Down" (02), "Down with Love" (03), "Young Adam" (03), "Big Fish" (03), "Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith" (05), "Stay" (05), "Deception - Tödliche Versuchung" (08), "Angels & Demons" (09; dt. "Illuminati"), "Men Who Stare at Goats" (09; dt. "Männer, die auf Ziegen starren"), "Ghost Writer" (10), "Beginners" (10), "Salmon Fishing in the Yemen" (11; dt. "Lachsfischen im Jemen"), "The Impossible" (12), "August: Osage County" (13; dt. "Im August in Osage County"), "Mortdecai - Der Teilzeitgauner" (14), "American Pastoral" (16; auch Regie), "Beauty and the Beast" (17; dt. "Die Schöne und das Biest"), "Last Days in the Desert" (15; dt. "40 Tage in der Wüste"), "Miles Ahead" (15), "T2 Trainspotting" (17), "Christopher Robin" (18), "Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen" (19), "Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn" (19).
TV-Rollen u. a.: "Lipstick on Your Collar" (93), "Scarlet and Black" (93; Serie), "Family Style" (93), "Doggin' Around" (94), "Karaoke" (96; Serie), "Solid Geometry" (02), "Long Way Round" (04 als DVD, 07 als TV-Serie), "Fargo" (17; Netflix-Serie), "Long Way Up" (20; TV-Serie).
Theaterrollen u. a.: "What the Butler saw", "Little Malcolm" (99), "Guys and Dolls" (05), "Othello" (07).
Buchveröffentlichungen: "Long Way Round" (05), "Long Way Down" (07), "Long Way Up" (20; alle m. Charley Boorman; auch Prod.).
Regie: "American Pastoral" (16; dt. "Amerikanisches Idyll").
14. Mai 2021: Netflix: "Halston (2021)" (USA 2021; "HALSTON" ). Produzenten: Lou Eyrich, Reilly Smith, John Fedynich. Regie: Daniel Minahan. Buch: Sharr White, Ian Brennan, Ryan Murphy, Ted Malawer, Tim Pinckney, Kristina Woo, nach einer Vorlage von Steven Gaines. Darsteller: Ewan McGregor (Halston), Rory Culkin (Joel Schumacher), Sullivan Jones (Ed Austin), Mary Beth Peil (Marta Cunningham), Gian Franco Rodriguez (Victor Hugo), Krysta Rodriguez (Liza Minnelli), Molly Jobe (Sassy Johnson), Rebecca Dayan (Elsa Peretti), David Pittu (Joe Eula), Bill Pullman (David J. Mahoney), Kelly Bishop (Eleanor Lambert), Vera Farmiga (Adele), James Waterston (Mike), Jason Kravits (Carl Epstein). Inhalt: Mini-Serie über den US-Modedesigner Roy Halston Frowick (1932-1990), der unter dem Namen Halston zu einem der prägenden Designer der Disco-Ära wurde. (film-dienst 21/2021)
27. Mai 2022: Disney+: "Obi-Wan Kenobi" (USA 2022; "OBI-WAN KENOBI" ). Produzenten: Katterli Frauenfelder, Thomas Hayslip. Regie: Deborah Chow. Buch: Joby Harold, Stuart Beattie, Hossein Amini, Hannah Friedman, Andrew Stanton. Darsteller: Ewan McGregor (Obi-Wan Kenobi), Vivien Lyra Blair (Prinzessin Leia als Zehnjährige), Hayden Christensen (Darth Vader), Rupert Friend (Großinquisitor), Moses Ingram (Inquisitorin Reva/Dritte Schwester),Joel Edgerton (Owen Lars), Bonnie Piesse (Beru Lars), Sung Kang (Fünfter Bruder), Kumail Nanjiani (Haja Estree), Benny Safdie (Jedi-Ritter Nari), Grant Feely (Luke als Zehnjähriger), Rya Kihlstedt (Vierte Schwester), Jimmy Smits (Senator Organa), Indira Varma (Tala). Inhalt: Spinoff-Serie aus dem "Star Wars"-Universum rund um den Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi. (film-dienst 23/2022)
21. Oktober 2022: Apple TV+: "Raymond & Ray" (USA 2022; "RAYMOND & RAY" ). Produzenten: Alfonso Cuarón, Bonnie Curtis, Julie Lynn. Regie: Rodrigo García. Buch: Rodrigo García. Darsteller: Ethan Hawke (Ray), Ewan McGregor (Raymond), Sophie Okonedo (Kiera), Maribel Verdú (Lucia), Tom Bower (Harris), Vondie Curtis-Hall (Pastor), Todd Louiso (Canfield). Inhalt: Zwei Halbbrüder tragen den Vater, dessen Brutalität ihre Kindheit prägte und von dem sie beide seit Jahren entfremdet sind, zu Grabe. Die Absurditäten und Zumutungen am Tag der Beisetzung schälen sukzessive die Wut und den Schmerz frei, den beide tief vergraben haben, eröffnen aber auch neue Perspektiven auf den Verstorbenen. Drama (film-dienst 43/2022)
17. Mai 2024: Paramount+ (D): "Ein Gentleman in Moskau" (Großbritannien 2024; "A GENTLEMAN IN MOSCOW" ). Produzenten: Tom Harper, Sharon Hughff, Ben Vanstone,Pancho Mansfield, Xavier Marchand, Ewan McGregor, Sam Miller. Regie: Sam Miller, Sarah O'Gorman. Buch: Ben Vanstone, Nessah Muthy, nach einer Vorlage von Amor Towles. Darsteller: Ewan McGregor (Alexander Rostow), Mary Elizabeth Winstead (Anna Urbanowa), Beau Gadsdon (Sofia), Johnny Harris (Osip Glebnikow), Leah Harvey (Marinna Samarowa), Paul Ready (Prinz Nikolai Petrow), Anastasia Hille (Olga), John Heffernan ("Der Bischof" Leplewski), Fehinti Balogun (Mischka), Björn Hlynur Haraldsson (Emile Schukowski), Lyès Salem (Andrey Duras). Inhalt: Der russische Aristokrat Graf Alexander Rostow entkommt 1922 der Hinrichtung durch die Bolschewiken, wird jedoch zu lebenslangem Hausarrest im Moskauer Nobelhotel Metropol verurteilt. Über mehr als dreißig Jahre zieht die sowjetische Geschichte an ihm vorbei, er schließt Freundschaften, verliebt sich in eine Filmdiva und wird Beschützer eines Mädchens. Achtteilige Serie nach einer Romanvorlage. (film-dienst 22/2024)
Literatur
2021: Jay Glennie: "#25 Trainspotting Anniversary". Dokumentation über den Film von Danny Boyle (2021).
Auszeichnungen
Auszeichnungen u. a.: Best Actor des Dinard Film Festival (94; zus. mit Kerry Fox und Christopher Eccleston), Entertainment Personality Award (02), Empire Award als bester britischer Schauspieler (96, 97, 98, 02, 08), Ehrendoktorwürde der University of Ulster, Nordirland (01), Europäischer Filmpreis für einen europäischen Beitrag zum Weltkino mit "Moulin Rouge" (01), Golden Satellite Award (02), London Critics Circle Film Award (97, 02), Film Actor Award, Variety Club Showbusiness (02), BAFTA Scotland Award (97, 04), Europ. Filmpreis (10; f. Ghostwriter), Ernennung zum Officer of the Order of the British Empire (13), Golden Globe in der Kategorie "Bester Schauspieler Serie oder TV-Film" (18), "Goldene Kamera" in der Kategorie "Bester Schauspieler International" (18).
19. September 2021: Bei der 73. Verleihung der Primetime Emmy Awards wird Ewan McGregor als bester Hauptdarsteller in einer Anthologieserie für seine Rolle in "Halson" ausgezeichnet.
12. September 2024: Ewan McGregor wird auf dem "Walk of Fame" in Hollywood mit einem Stern geehrt.
Mitgliedschaften
Mitgliedschaften/Ämter: M. engagiert sich seit 2004 als UNICEF-Botschafter und nutzt hierfür insbesondere seinen Twitter-Kanal. 2012 war er Mitglied der Jury bei den Filmfestspielen von Cannes.
Adresse
c/o Creative Artists Agency, 2000 Avenue of the Stars, Los Angeles, CA 90067, U.S.A., Tel.: +1 424 288-2000